Vom roten Alleinstellungsmerkmal

Wenn man die Parteienlandschaft in Deutschland betrachtet, wird einem auffallen, dass sie in zwei Lager gespalten ist. Nein, nicht in die üblicherweise an dieser Stelle genannten: links und bürgerlich, sondern in sozialdemokratisch und liberal.

Denn es fällt auf, dass sich fast alle im Bundestag vertretenen Parteien sozialdemokratisiert haben. Die Grünen fahren schon lange diesen Kurs, die Union sowieso und die Linke gar in extremer Version. Mit Ausnahme der FDP hat die SPD also gleich drei sozialdemokratische Konkurrenten, mit denen sie den Kampf um die Wählerstimmen aufnehmen muss.

Die Mitgliedszahlen der Sozialdemokraten fallen seit 1990 stets und ständig; sie haben in den letzten 19 Jahren fast die Hälfte ihrer Mitglieder verloren.

Der Grund liegt auf der Hand. Die SPD hat ihr Alleinstellungsmerkmal, das der sozialdemokratischen Politik, verloren. Je nachdem, welcher sozialdemokratisch angehauchten Provenienz der „Links-Wähler” ist, wählt er grün für das Paket „sozial + öko”, schwarz für „sozial + konservativ” oder dunkelrot für „sozial + Oskar-Flavour”. Wer nimmt schon freiwillig das allein sozial eingehüllte SPD-Paket, wenn er zum gleichen Preis, dem seiner Stimme, gleich je zwei Pakete bei den anderen Parteien abholen kann?

In einer Zeit, in der der SPD die Rand-Wählerschaft nach allen Seiten wegbröckelt, hält sie es für angebracht, sich, anstatt sich neue Wählerkreise zu sichern, diese gleich vorauseilend zu vergraulen. Wer heute nicht die FDP, also sozialdemokratisch wählt, hat als „Netz-affiner” Wähler die Optionen der Grünen und: der Linkspartei – zu radikal angestrichen landen die meisten stimmen daher wohl bei Grün. Oder bei der SPD, zumindest bisher.

Mit der Zustimmung zum Internet-Sperren-Gesetz am 18.06.09 hat die SPD den Netz-Idealisten unter ihren (potentiellen) Wählern einen kräftigen tritt in den Allerwertesten verpasst, mit der klaren Ansage: Wir verzichten lieber freiwillig auf ein paar Tausend Stimmen und ignorieren die 134.000 Petitionsmitzeichner, ehe wir uns in der heißen Phase des Wahlkampfes von der Union anhören müssen, wir seien nicht gegen Kinderpornographie.

Auch dass aufgrund der Zustimmung zu diesem Gesetz ein SPD-MdB, Jörg Tauss, den roten Sozialdemokraten (es gibt so viele davon) den Rücken kehrte, scheint diese nicht besonders zu interessieren.

Und so hat es die SPD verpasst, dem Wähler noch ein kleines Päcken auf den Teller zu stellen, um im linken Lager den „Netz-Affinen” zumindest ein kleines, neues Alleinstellungsmerkmal bieten zu können.

Montag, 22. Juni 2009 – Politik

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Passé!

Heute durfte die Schule seit nicht gerade wenigen vergangenen Wochen wieder einmal mich erblicken. Denn heute war nicht der entscheidende, aber der krönend abschließende Tag der Abiturzeit (den Abiball außen vor gelassen): der Tag der Bekanntgabe der schriftlichen Abi-Noten.

Das frühe Aufstehen war schmerzlich, aber nicht weniger nützlich. In der langen Gähn-Phase nach den Abi-Prüfungen neigt man dazu, seinen Tagesrhythmus bis fast ins Lächerliche hinein zu verschieben. Spätes Schlafengehen hat Aufstehen kurz vor Mittag zur Folge, spätes Aufstehen Nicht-müde-sein bis tief in die Nacht. Und in dieser Spirale des Rhythmus-Bashings kommt einem eine strukturierte Kleinigkeit wie die heutige doch gelegen, diesen Ablauf wieder in den Griff zu bekommen.

In der Schule angekommen, bekamen wir nach einer kurzen Phase des Umherstehens und Unterhaltens und nach der Rückgabe der Leihexemplare unter unseren Büchern jeweils ein A4-Blatt mit den Ergebnissen und dem Meldeformular für eventuelle weitere mündliche Prüfungen von unserer Lehrerin.

Endlich war es also soweit! Die Ergebnisse sind bekannt – und super-tip-top. Meinen erhofften Durchschnitt habe ich sogar um eine Nachkommastelle übertrumpft. Leckere Gelassenheit macht sich breit.

Dienstag, 2. Juni 2009 – Schule, Tagtäglich

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Weapons of Modern Dictatorship

Nuclear Weapon Tweet

http://blogs.indystar.com/varvelblog/archives/2009/05/twittoon.html

Montag, 1. Juni 2009 – Random

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„Nobbi“ weiter im Einsatz

Gestern hieß das Thema bei Maischberger „Gefeuert! Schutzlos in der Kündigungswelle?” Zu Gast war neben ein paar Betroffenen das „soziale Gewissen der CDU”, Norbert Blüm.

Von den Betroffenen arbeitete keiner bei Opel, weder Jörg-Ingo Homölle, der nach 25 Jahren bei Karmann seinen Job verlor, noch Cornelia Hälbig, die am Ende ihrer Babypause die Kündigung bekam.

Trotzdem wich Norbert Blüm der Frage nach der Begründung für die alleinige Konzentration auf Opel durch die Bundesregierung aus. Auf erneute Nachfrage Sandra Maischbergers bekam diese nur lakonisch „Jetzt geht’s mal um Opel!” zu hören. Dass Blüm von 1949 bis 1957 bei Opel arbeitete, mag eine Erklärung sein, warum er sich so verbissen für Opel einsetzt. Damit begründet er allerdings auch, dass er beurteilen kann, welch wunderbare Automobile Opel baue. Immerhin über ein halbes Jahrhundert, nachdem er das Unternehmen verlassen hat.

Blüm scheut sich, das Wort ‚Insolvenz’ „in den Mund zu nehmen” und macht sich Sorgen über Neuwagenkäufer, die durch die Vorstellung, keine Ersatzteile mehr zu bekommen, abgeschreckt würden. Nach gefühlten 3 Stunden Kampfeinsatz für Opel betont er aber: „Ich bin doch keine Opel-Egoist.” Alles klar, Herr Blüm.

Dass Blüm seine alten Opelaner-Freunde nicht im Stich lassen will, ist verständlich. Ohne in Amt und Würden zu sein, kann er dieses auch ganz offen tun.

Wenn er mal nicht für die Opelaner kämpft, dann eben für die Palästinenser – wie in einer Sendung „hart aber fair” Anfang dieses Jahres geschehen. Seine Positionen zu diesem Thema sind bekannt: Die Formulierung eines „Vernichtungskrieges” von Seiten Israels hat er zwar zurückgezogen, trotzdem: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann von 73 Jahren und eines solchen Kalibers wie Blüm, der 16 Jahre lang Bundesminister war, sich durch Leben und Politik „geschlichen” hat, ohne dabei eine Sensibilität dafür entwickelt zu haben, wie man mit Sprache umgeht und welche Konnotationen und Reaktionen man bei Mitdiskutanten und Zuhörern auslöst bei der Verwendung bestimmter Formulierungen.

Aber gut: Er ist nicht nur das soziale Gewissen der CDU a. D., er weiß auch, das seine gute weiterhin vorzüglich zu pflegen. Zumindest, solange er noch jemanden findet, für den er der Kugel in die Bahn springen kann. Eines allerdings muss man ihm lassen: Das war Norbert Blüm 1986, als er bereits 4 Jahre Minister war. Er ist seither keinen Tag älter geworden. Oder sah damals schon so alt aus; die alte Frage des Wasserglases.

Mittwoch, 27. Mai 2009 – Politik

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Wenn die Schreiber von Sarrazin gepeitscht würden

1.5.2009
Liebes Tagebuch, Thilo Sarrazin ist der sympathischste Sozialdemokrat derer, die ich bisher gesehen habe. Ich schreibe diese Zeilen mit einigem zeitlichen Abstand zum gelesenen Text heute Nachmittag in der, nein: auf Zeit online. Das dort veröffentlichte Portrait zeichnete das Bild eines analytischen Freigeistes, gerne um den See wandelnd, seine Gedanken dabei konkretisierend, aber stets mit grimmigem Blick. Kritik macht schon Spaß, könnte man da denken. Und jetzt geht er; raus aus der Politik? Nein, raus aus der Pulloverpolitik, doch direkt an die Hebel der nationalen Geldpolitik – zur Bundesbank nach Frankfurt am Main. Sarrazin verhielt sich wohl zu Berlin wie der Bismarcksche Lehrer zu seinen Schülern: Er hatte die Macht. Und er war der, der mit dem Zeigefinger in rauem Ton belehrte. Und was macht Berlin nun ohne seinen roten Senator, der gar nicht so schien; unter der rot-roten Obrigkeit, die weiter so scheint? Ich habe keine Ahnung.

Später. Jetzt denke ich, dass es doch einiges mehr an Können und Genialität verlangt, ein gutes Lob zu verfassen als einen guten Verriss. Ich meine, es muss doch da draußen jemanden geben, der mir sagt, wer „mir” ein solches schreibt. Könner müssen doch am Werk sein, wenn nicht, wenigstens Potenziale. Denn das sind ja die, die dort draußen ganze Seiten von Zeitungen tagein tagaus füllen mit Wörtern. Feuilletons quellen über vor Buchstaben, Gedanken flutschen heraus, werden in Worte gebannt, die Maschine spuckt sie aus, lädt sie hoch. Wo also ist er, der ein Lob am besten formulieren kann? Nicht so, dass es infantil-kreischend wirkt, nicht so, als traue es sich nicht so recht aus der Ecke der Bescheidenheit, nicht so, als stehe der beaufsichtigende Redakteur mit der Peitsche hinter dem Schreiber, der in aufgezwungener Situation nur plattitüdenhafte Hymnen zu Papiere bringt. Wo? … Wo also derjenige, der leicht, mit Charme, aber auch ohne zu schnell zum Ende zu kommen, das gute Lob artikuliert, notiert und mit Ehrlichkeit und gutem Gesichtsausdruck druckt, es hochlädt? Vielleicht habe ich ihn schon gelesen, nur vergessen. Ich habe wieder keine Ahnung, aber sagen Sie’s keinem. Nur mir, wenn sie ihn ausmachten.

Freitag, 1. Mai 2009 – Tagtäglich

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Wenn die Unvernunft zur Pflicht wird

Henryk M. Broders letztes Buch war wirklich ein gutes. Und es hat mich dazu verleitet, mir auch noch das zwar eigentlich als Vorgänger geltende „Hurra, wir kapitulieren” zu besorgen.

Die Schwetzinger Zeitung hat mich aber heute doch sehr überrascht, als sie über eine Veranstaltung der Deutsch-Isrealischen Gesellschaft informierte, an der Henryk M. Broder unter anderem teilnimmt.

Vortrag: Publizist Henryk M. Broder referiert über sein neues Buch „Kritik der reinen Vernunft”

Ob die Herren dabei Herrn Broder und Herrn Kant verwechselt haben oder ob sie nicht gut informiert waren, weiß ich nicht. Ersteres spräche ja immerhin nicht gegen Herrn Broder.

Freitag, 27. Februar 2009 – Lesen, Medien

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Sei spontan! an Karneval

Es ist schon eine interessante Sache. Jedes Jahr, ungefähr zur gleichen Zeit, versammeln sich Horden inmitten bunt geschmückter Umgebungen mit noch bunteren Kostümen an den Körpern und stimmen zum rhythmisch einheitlichen Schunkeln an.

Dieses Schunkeln ist sozusagen mein Sinnbild des Karnevals. Hin und her schwingend wie ein Pendel verhalten sich die Menschen, und sind dabei irgendwie originell und irgendwie wie versteinert langweilig.

Wie kann man sich nur in einer so organisierten Veranstaltung wie dem Karneval wirklich amüsieren?, frage ich mich gerade. Vielleicht ist es ja freudebereitend, sich an schön benannten Tagen, wie dem Nelkensamstag, Tulpensonntag, Rosenmontag oder Fastnachtsdienstag, lang zu hangeln. „Überschäumende Lebensfreude” oder „Ausgelassenheit” mag aber nicht wirklich in streng reglementierter „Feierei” aufkommen.

Und überhaupt hat Karneval für mich so einen „Sei-spontan!”-Gestus, sodass ich die Dinge, die dort dargeboten werden, vollends nicht lustig finden kann.

Da ich nicht im westlichsten Teil Deutschlands wohne, bleibt mir doch einiges erspart. Keinesfalls alles, das muss es auch nicht: Ich finde es sogar schön, Karneval in kleinen Häppchen zu konsumieren. Als Beobachter oder über manch Schönes Staunender. Man könnte dies alles auch mit einem Werbeslogan für Haarpflegeprodukte zusammenfassen: „coloriert und strapaziert”.

Sonntag, 22. Februar 2009 – Buntes

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Schöne Krise

Die Kreditkrise visualisiert von Jonathan Jarivis. Die Ursachen wurden hier sehr schön abstrahiert dargestellt, im Sinne von: „exploring the use of new media to make sense of an increasingly complex world”.

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Allgemein

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